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Alkohol – Genuss statt Sucht

Das Risiko, alkoholkrank zu werden, ist für Männer und Frauen generell gleich hoch. In Österreich erkranken etwa 10 Prozent im Laufe ihres Lebens an chronischem Alkoholismus, Männer durchschnittlich ab dem 26., Frauen nach dem 34. Lebensjahr.

Für die Entwicklung einer Sucht spielen mehrere Faktoren eine Rolle. So etwa übernehmen 40 Prozent aller Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen, das Suchtverhalten ihrer Eltern. Besonders gefährdet sind, laut Statistik des Anton Proksch Instituts einerseits Jugendliche aus problematischen Familienverhältnissen, und andererseits Frauen die durch Beruf und Familie doppeltbelastet sind, sowie alleinstehende oder sozial isolierte Frauen. Die häufigsten Gründe, wenn Frauen zur Flasche, bzw. am liebsten zum Weinglas greifen, sind psychische und soziale Probleme, wie etwa Depressionen oder Traumata.

Ob zunächst die Depression auftritt, die mit Alkohol bekämpft wird, oder die Sucht, die in die Depression mündet, war bisher Gegenstand zahlreicher Studien. Die Wissenschaft geht mittlerweile davon aus, dass eine Depression häufig eine Folge jahrelangen Substanzmissbrauchs bzw. einer Suchterkrankung ist.

Wie die Sucht das Gehirn steuert

In unserem Stammhirn befindet sich das limbische System, das die Verarbeitung von Gefühlen zur Aufgabe. Auch Sinneseindrücke, Triebe, Motivation und Belohnung werden von hier aus gesteuert. Auf der anderen Seite befindet sich im vorderen Hirnlappen das Zentrum, in dem unsere Entscheidungen, Handlungen und Bewertungen ausgehen. Beim Genuss von Alkohol erfolgt eine Reaktion im Limbischen System – im Belohnungszentrum werden Botenstoffe wie Serotonin, Dopamin und körpereigene Opioide ausgeschüttet, die Glücksgefühle mit sich bringen. Andere Botenstoffe, wie etwa Glutamat beruhigen hingegen und wirken angstlösend. Dieser Mechanismus erklärt auch, warum Alkohol bei Menschen unterschiedlich wirkt; manche reagieren darauf fröhlich, redselig, bei anderen kommen Gefühle der Entspannung auf, Ängste schwinden, Alkohol wirkt in diesem Fall beruhigend. Im vorderen Hirnlappen, unserem intellektuellen „Steuermann“ wissen wir zwar, dass ein Übermaß von Alkohol zu einem Rauschgefühl führt, das am nächsten Tag in einen „Kater“ mündet – doch ist diese Schwelle einmal überschritten, erfolgt im limbischen System ein Feuerwerk von Glücksgefühlen. Das Belohnungssystem ist höchst aktiviert.

Der Weg in die Abhängigkeit

Das Tückische daran ist jedoch: Wird Alkohol häufiger oder längere Zeit hinaus konsumiert, werden weniger Glücksbotenstoffe ausgeschüttet, das heißt, die Effekte des „Genusses“ treten erst bei größeren Mengen ein. Das Gehirn hat sich der Dosis angepasst. Um das Glücksgefühl immer wieder zu erreichen, müssen immer größere Mengen an Alkohol getrunken werden, andernfalls treten Entzugserscheinungen auf. Das kann ein Zittern sein, Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen sind weitere Folgen von ausschweifendem Alkoholkonsum. An einer Alkoholkrankheit laborieren in Österreich am häufigsten Menschen zwischen 40 und 55 Jahren. Ein gefährlicher Trend, denn ein Übermaß an Alkohol schädigt Nervenzellen, Leber, Bauchspeicheldrüse, erhöht das Krebsrisiko (Mund-, Brust-, Leberkrebs) und verringert die Lebenserwartung um 15 bis 20 Jahre. Um auf der sicheren Seite zu bleiben, sollten Männer und Frauen die Harmlosigkeitsgrenze nicht überschreiten. Sie liegt bei Männern bei etwa 24 g, bei Frauen bei 16 g Alkohol pro Tag (ein Achtel Wein enthält etwa 10 g Alkohol). Kritisch und gefährlich wird es für Männer, die mehr als 60 g (etwa drei Krügel Bier) und für Frauen, die mehr als 40 g (vier Gläser Sekt) zu sich nehmen.

Wesentliche Merkmale, die für eine Sucht sprechen, sind:

• Kontrollverlust beim Konsum der Substanz
• Der Zwang, zu einer Substanz zu greifen
• Entzugssyndrome, die sich körperlich zeigen
• Schleichende Erhöhung der Dosis
• Interessensverlust an alltäglichen oder sozialen Themen

Alkoholsucht bringt nicht nur hohe körperliche Risiken mit sich, sondern auch großes psychisches Leid. Viele Betroffene isolieren sich, verlieren ihre sozialen Kontakte, ihren Arbeitsplatz und letztlich die Lust am Leben. Wer sich jedoch zur Erkrankung bekennt und sich helfen lässt, hat alle Chancen, um ein neues „trockenes“ Leben zu beginnen.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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