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Tanzen und Demenz

Vergesslichkeit, Demenz, Alzheimer im Alter – das muss nicht sein. Das vielversprechendste Medikament zur Vorbeugung ist ein aktiver Lebensstil. Können Sie eigentlich tanzen?

Weltweit leben heute etwa 40 Millionen Menschen mit Demenz, einer Erkrankung, bei der Gehirnzellen absterben, sodass man vergesslich wird. Das liegt einerseits an unserer heutigen hohen Lebenserwartung, andererseits auch an beeinflussbaren Faktoren, wie mangelnder geistiger und körperlicher Aktivität und ungesunder Ernährung. Zurzeit existiert noch kein Medikament, das die Erkrankung verhindern oder heilen könnte. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Alzheimer kann man mit einem entsprechend aktiven Lebensstil weitgehend vorbeugen.

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Dass man im Alter zu Vergesslichkeit neigt, ist an sich keine Krankheit. Viele Menschen jenseits des 80. Geburtstags sind vital, geistig fit und strotzen vor Lebensfreude. Im Kampf gegen das Vergessen ist Vorbeugung auch gegenwärtig die beste Therapie, zumal die Wissenschaft eine Reihe von Risikofaktoren kennt, die jeder einzelne durchaus vermeiden kann. Wer an Diabetes, Bluthochdruck oder Übergewicht laboriert, hat durchaus wirksame Vorsorgemöglichkeiten: Bewegung heißt das „Medikament“, das sowohl die kleinen grauen Zellen, als auch den Körper vor vielen anderen Erkrankungen schützt. Menschen, die sich ihr Leben lang regelmäßig bewegen und auf ihr Idealgewicht achten, haben ein fast 80 Prozent geringeres Risiko, an einer Demenz zu erkranken, so neueste Daten aus der Wissenschaft.

Bewegung, die mitreißt

So haben Forscher der Universität Basel festgestellt, dass insbesondere rhythmische Bewegungen dem Hirn und Herzen guttun. Beim Tanzen ist nicht nur eine rhythmische Choreographie gefragt, die das Gehirn fordert, sondern auch Körperbeherrschung und Reaktionsfähigkeit. Einmal pro Woche zu Tanzen, senkt überdies das Depressionsrisiko, denn die Freude an der Musik setzt wichtige biochemische Botenstoffe im Gehirn frei. Darüber hinaus ist Tanzen auch ein soziales Erlebnis in der Gemeinschaft, ein weiterer Faktor, der geistig rege und vital hält. Wer es mit dem Schwung übers Parkett nicht so hat, könnte sich auch in ähnlichen sportlichen Disziplinen versuchen, bei denen Koordinations- und Kombinationsfähigkeit, sowie Bewegungsfreude gefördert werden. Für Freunde asiatischer Techniken ist Tai Chi eine gute Möglichkeit, in vielen Kliniken und Seniorenheimen nehmen selbst bewegungseingeschränkte Menschen mit Lust und Freude an derartigen Kursen teil. Allen, die in punkto Herzkreislaufsystem Pluspunkte sammeln möchten, empfehlen sich Sportarten wie Aerobic, Jazzdance, Musikgymnastik – für jedes Tempo bieten sich hier maßgeschneiderte Kurse an.

Fitness schützt Körper und Geist

Wer gut trainiert ist, seinen Körper beherrscht und sich auf eine gute Koordinationsfähigkeit verlassen kann, ist im Alter außerdem weniger sturzgefährdet. Da unser Gehirn auch bei motorischen Leistungen gefordert ist, werden mit Bewegungstraining zu Musik Körper und Geist gleichermaßen beansprucht.

Um ein aktives Leben zu beginnen, ist es nie zu spät. Das betrifft Bewegung und Denken, aber auch die Ernährung, die diese gesunde Prophylaxe abrundet. So hat das Forschungsteam um Dr. Tiia Ngandu vom National Institute for Health and Welfare in Helsinki und dem Karolinska Institute in Stockholm in ihrer FINGER-Studie kürzlich festgestellt, dass selbst bei Alzheimer-Risikopatienten eine gesunde Lebensführung den Ausbruch der Erkrankung um fünf Jahre verzögern kann. Neben Bewegung, Fitness und Gedächtnistraining spielt ausgewogener Ernährung eine enorme Rolle. Regelmäßiger Konsum von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettarmem Fleisch, zweimal pro Woche Fisch und kaum Zucker – so lautet die kurze Ernährungsformel. Dem Alter kann man zwar nicht vorbeugen, und das ist auch gut so. Jeder hat es aber weitgehend selbst in der Hand, die Qualität des Alterns zu bestimmen.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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