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Wie das Herz unsere Lebensqualität beeinflusst

Das Herz ist aus fernöstlicher Sicht der Sitz des Geistes, aus westlicher Sicht unser Lebensmotor. Aus der Sicht der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) ist unser Herz der König aller Organe. Es beeinflusst Geist und Psyche und damit alle unsere Lebensaktivitäten, wie Körperhaltung, Gesichtsausdruck, Atmung und Organfunktionen.

Aus der Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin erfüllt unser Herz zwei Funktionen: Es beherrscht Blut und Gefäße und es steuert unseren Geist und Willen. Seine Gesundheit zeigt sich in der Zunge, bei gesundem Herzen ist sie rosa, blasse oder dunkelrote Verfärbungen lassen auf eine Störung der Blutzirkulation schließen. Daher ist die Zungendiagnostik eine der wichtigsten Diagnoseverfahren der TCM. Aber auch verschiedene Punkte an der Körperoberfläche lassen Rückschlüsse auf Störungen der Organe, wie etwa des Herzens zu. So gibt es am Rücken verlaufend zwei Bahnen, die eine zwei, die andere vier Querfinger neben der Wirbelsäule, die den inneren Organen zugeordnet sind, sowie den Meridian des Herzens: Die Akupunktur bietet hier eine wichtige Therapieoption. An bestimmten Punkten des Herzmeridians angewendet, wirkt sie sich auf Körper und Geist positiv aus.

Die chinesische Medizin beruht auf den Säulen der Ganzheitlichkeit, auf einem Zusammenspiel verschiedener Therapie- und Vorsorgeoptionen. Daher kommt auch der Kräutermedizin gerade im Bereich der Herzkreislauf-Erkrankungen große Bedeutung zu. So etwa kann hoher Blutdruck verschiedene Ursachen haben: Er kann genetisch ererbt sein, oder bei Aufregung steigen. Hier differenziert die TCM genau – sie geht davon aus, dass jeder Mangel im Körper ebenfalls zu hohem Blutdruck führen kann. Eine Reihe von Kräutern wurde bereits sehr intensiv im Hinblick auf ihre Wirkung nach westlich-pharmakologischen Maßstäben untersucht. Positiv bei hohem Blutdruck wirkt unter anderem der chinesische „Klassiker“ Dan-Shen, bekannt auch als Rotwurzelsabei. Bei niedrigem Blutdruck, der sich meist in Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfung äußert, helfen Kräuter, die jedoch in jedem Fall individuell und genau abgestimmt werden müssen.

Während also Dan-Shen also bei niedrigem Blutdruck den Kreislauf in Schwung bringt, stärkt die so genannte Sheng Mai-Rezeptur den Puls durch den Aufbau von Qi und Yin der Lunge, die Shizandra-Beere schützt vor Erschöpfung. Doch chinesische Heilkräuter haben auch ihre Schattenseiten: da es sich um altes, tradiertes Wissen handelt und der geographische Ursprung der Pflanzen aus westlicher Sicht nicht immer klar zuordenbar ist, bergen sie auch Gefahren: Verwechslungen waren daher bis dato nicht ausgeschlossen. Neu und hilfreich sind in diesem Zusammenhang Untersuchungsverfahren, die es ermöglichen, chinesische Heilkräuter genau und nach westlich-pharmakologischen Kriterien zu identifizieren. Früher wurden Heilkräuter nur anhand des Aussehens, des Geruchs und Geschmacks identifiziert. Heute stehen Methoden zur Verfügung, die das Inhaltsstoffmuster abbilden und gewissermaßen an „Fingerprints“ einzelne Pflanzen unterscheiden lassen. Das Wesentliche an der TCM ist nämlich, dass viele Pflanzen nur in so genannten „Rezepturen“, also in bestimmten Mischungen wirken. Gerade in diesem Bereich gibt es in Zukunft noch viel zu tun, denn über das Zusammenspiel der einzelnen Heilkräuter ist noch vieles unergründet.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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