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Trainingstherapie

Sport statt Medikamente

Sport ist gesund. Dass man mit regelmäßigem Training schwere Krankheiten verhindert und Patienten weitgehend auf Medikamente verzichten können, bestätigen viele Studien, aber auch Betroffene, die das am eigenen Leib erfahren haben.

„Ich dachte, da stimmt doch was nicht“, sagt Martin, „Mein Ruhepuls ging nicht mehr runter, ich hatte Herzflattern und mir ging’s gar nicht gut, so bin ich sofort ins Krankenhaus gefahren.“ Dort wurde der Computertechniker erst mal durchgecheckt. Die Diagnose: Übergewicht, ein BMI von über 30, Bluthochdruck, beginnende Fettstoffwechselstörung. Heute ist der 50-Jährige um mehr als 17 Kilo leichter und kerngesund.

Wie Martin das geschafft hat? Er ist zum Sportler geworden. Im ersten halben Jahr nach der Diagnose wurde er erst mal mit blutdruck- und blutfettsenkenden Medikamenten stabilisiert. Das ist wichtig, dass ein Betroffener vor einem Trainingsbeginn gut eingestellt wird. Erst danach konnte Martin mit einer moderaten Trainingstherapie beginnen. Unter Anleitung von Sportmedizinern hat er zunächst dreimal 20 Minuten pro Woche mit langsamem Laufen begonnen und dieses Pensum alle sechs Wochen um eine Viertelstunde pro Woche erhöht. Erst dann wurden die Medikamente langsam und sukzessive abgesetzt.
Mittlerweile wird Martin schon nervös, wenn sich die körperliche Betätigung mal nicht so unproblematisch in den Kalender einbauen lässt. Aber das hat auch seine Vorteile: denn mit seiner Leidenschaft hat er bereits eine erkleckliche Anzahl an Kollegen, Freunden und Sportsgeistern angesteckt.

Hätte Martin nicht so ausdauernd trainiert, abgenommen und bewusst gelebt, müsste er heute wohl drei, vier Medikamente einnehmen. Ziel einer solchen Trainingstherapie ist es daher immer, gesund zu werden bzw. zu bleiben. Das Positive am Training als Therapie: Es hat keine Nebenwirkungen. Aber viele positive Nebeneffekte, wie einen erhöhten Kalorienverbrauch und eine Steigerung der Leistungsfähigkeit. Wichtig ist es, ganzjährig zu trainieren, darüber sind sich Sportmediziner einig. Auch die Disziplin spielt keine Rolle, jede Ausdauersportart, bei der mindestens 1/5 der gesamten Körpermuskelmasse bewegt wird, ist geeignet. Wichtig ist dabei die Einhaltung der individuellen Trainingsherzfrequenz.

Dass Training die beste Möglichkeit ist, sich gesund und fit zu halten, ist an sich nicht neu. Neu hingegen sind zahlreiche Studienergebnisse, die bestätigen, dass Patienten dank regelmäßigem Ausdauersport auf Medikamente weitgehend verzichten können. Gute Ergebnisse gibt es in dieser Hinsicht bei Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhten Blutfettwerten. Martin ist ein junger „Patient“, doch zunehmend betrifft die Problematik viel mehr ältere Menschen. Die Sportmedizin weiß jedoch, dass regelmäßiges Training die beste Anti-Aging-Strategie ist. Das Altern ist nämlich vor allem durch eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit gekennzeichnet. Darüber hinaus ist die Trainierbarkeit in jedem Alter möglich, man muss nur im entsprechenden Umfang Ausdauer und Kraft trainieren.

Die „Dosis“ richtet sich nach dem sportmedizinischen Check. Weiters muss zuvor abgeklärt werden, ob das Herzkreislauf-System gesund ist, keine Herzinfarktgefahr oder Risiken durch Bluthochdruck bestehen. In solchen Fällen müssen eventuell weitere diagnostische Untersuchungen bzw. medikamentöse Einstellungen vorgenommen werden, ehe man mit dem Training beginnen und die Medikamente dann langsam unter ärztlicher Kontrolle wieder absetzen kann.

Vor allem bei den viel zitierten Zivilisationskrankheiten können Betroffene mit Training eine wesentliche Verbesserung der Gesundheit und der Lebensqualität erzielen. In verschiedenen Studien wurde nachgewiesen, dass bei Krankheiten wie Bluthochdruck, koronaren Herzkrankheiten, Schlaganfall, Nierenerkrankungen, Diabetes mellitus, metabolischem Syndrom, Osteoporose oder Asthma gute Erfolge durch Trainingstherapie erzielt werden konnten.

Am günstigsten sind „zyklische Sportarten“, das sind jene Sportarten, bei denen mehr als ein Fünftel der Muskelmasse bewegt wird. Joggen, Radfahren, Bergwandern, Rudern, Nordic Walken, Aerobic oder Schwimmen sind ideal, was davon praktiziert wird, ist Geschmackssache. Hauptsache: regelmäßig. Für einen sportlichen Einstieg ist es nie zu spät.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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