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Metabolisches Syndrom

Gefährlich Entgleisung

Zu viele Zigaretten, zu üppiges Essen, zu wenig Bewegung. Was der Körper in jungen Jahren meist noch gnädig verzeiht, beginnt ab einem gewissen Alter zum Problem zu werden. Fast die Hälfte aller Erwachsenen, die unter einer „Entgleisung des Stoffwechsels“ leiden, sind über 60 Jahre. Mediziner haben einen Fachbegriff dafür: das Metabolische Syndrom.

Man spürt es zunächst nicht, es verursacht keine Schmerzen und hat vorerst keinen Einfluss auf die Lebensqualität. Doch genau das ist das Tückische daran, denn liegt eine „Entgleisung“ des Stoffwechsels in mehreren Bereichen vor, kann das zu einer ernst zu nehmenden Krankheit werden. Übergewicht, Bluthochdruck, ein gestörter Fettstoffwechsel (also zu viel „schlechtes Cholesterin“) und ein erhöhter Blutzuckerspiegel sind die häufigsten Probleme, die zu einem Metabolischen Syndrom führen, wenn sie kombiniert auftreten.

Vielen der genannten ungünstigen „Werte“ könnte man eigentlich ganz einfach gegensteuern: mit mehr Bewegung, Rauchverzicht, weniger Fett und ausgewogener Ernährung. Das klingt aber nur in der Theorie gut, denn – Hand aufs Herz – welcher Fleischfan verzichtet freiwillig gerne auf einen frischen, saftigen Schweinsbraten, nur weil der Cholesterinwert ein bisschen aus den Fugen geraten ist? Welcher Raucher auf sein obligates Kaffee-Zigaretterl, obwohl er weiß, dass Rauchen gefäßverengend wirkt? Und wer, der es nicht gewohnt ist, bitteschön, sagt den kulinarischen Grillabend ab, nur weil die Laufschuhe schon warten?

Vielleicht ging all das in jungen Jahren noch ganz gut – die paar Abweicher im Laborbefund – das bügeln wir schon wieder aus. Doch mit zunehmendem Alter ist es nicht mehr ganz so leicht, lieb gewordene Gewohnheiten aufzugeben und sich eine gesunde Lebensweise anzugewöhnen. Die Statistik spricht Bände, denn genau die ältere, „erfahrene“ Zielgruppe hat eigentlich das höchste Risiko, ein Metabolisches Syndrom zu entwickeln und damit auch das Risiko, die Lebenszeit um wertvolle Jahre aufgrund einer Herzkreislauf-Erkrankung zu verkürzen.

Sie müssen jetzt nicht in Panik verfallen und Ihre letzten Laborbefunde akademisch durchgehen – Ihr Arzt hat Ihnen möglicherweise schon einen Wink gegeben, „Lieber Herr, liebe Frau X, ihr Blutdruck liegt eindeutig über dem Normwert, bitte passen Sie doch ein bisserl auf – beim Essen, und achja bewegen Sie sich doch ein bisserl mehr – das hilft.“ Unsere Ärzte meinen es gut mit uns, doch die Verantwortung über Gesundheit oder Krankheit liegt letztlich bei uns selbst. Was meint Ihr Arzt aber, wenn er Sie vor einem „Metabolischen Syndrom“ warnt? Die von der Medizin beschriebenen vier größten Risikofaktoren sind 1. Übergewicht, 2. Bluthochdruck, 3. gestörter Fettstoffwechsel und 4. erhöhter Blutzuckerspiegel. Treten all diese Faktoren gemeinsam auf, spricht man von einem Metabolischem Syndrom, also von einer „Entgleisung“ des normalen Stoffwechsels.

Wenn Sie diese Diagnose zum ersten Mal von Ihrem Arzt hören, haben Sie noch alle Karten selbst in der Hand. Medizinisch-nüchtern betrachtet, leiden Sie an einem Metabolischen Syndrom, wenn Sie ein Mann sind und einen Taillenumfang von mehr als 94 bis 102 cm haben, bei Frauen liegt dieser über 80 bis 88 cm –  und wenn mindestens zwei weitere der nachstehenden Kriterien vorliegen:

• niedriges HDL-Cholesterin
(Männer unter 40 mg/dl, Frauen unter 50 mg/dl)

• erhöhte Triglyzerid-Werte (über 150 mg/dl)

• Bluthochdruck (über 130/85 mmHg)

• Erhöhter Nüchternblutzucker (über 100 mg/dl)

Zusätzlich können erhöhte Harnsäurewerte ein Hinweis auf ein Metabolisches Syndrom sein. Natürlich spüren Sie nichts, wenn der Cholesterinwert erhöht ist – doch glauben Sie bitte Ihrem Arzt, sein Ziel ist es nicht nur, Menschen wieder gesund zu machen, sondern sie dazu anzuleiten, gesund zu bleiben. Sollten Sie all das als „Medizinergeschwätz“ abtun, pokern Sie schon sehr hoch, denn im Zuge eines Metabolischen Syndroms können weitere Erkrankungen entstehen, wie Gefäßverkalkung, Herz-Kreislauferkrankungen, Gehirnschlag, Herzinfarkt. Kein rosiges Zukunftsszenario, zumal Sie immer noch aus der Spirale aussteigen können. Sie müssen es aber nicht nur wollen, sondern auch tun. All das beginnt bei einer gesunden, ausgewogenen Ernährung mit Einschränkung des Zucker- und tierischen Fettkonsums, setzt sich fort im Verzicht auf Zigaretten und Alkohol und wird mit einem gezielten Bewegungsprogramm ergänzt.

Weniger Fett, weniger Zucker, kein Alkohol – ausreichend Bewegung. So lautet die Kurzformel, um ein Metabolisches Syndrom zu verhindern bzw. diesem entgegenzuwirken. Achten Sie daher in erster Linie auf eine ausgewogene Ernährung. Ein Zuviel an Energie wirkt sich unweigerlich auf das Körpergewicht aus. Günstig ist es, auf fettarme Kost umzusteigen, wobei der Anteil an Fett in der Nahrung nicht mehr als 30 % betragen sollte. Bis zu 20 % der täglichen Ernährung hingegen sollte aus Eiweiß bestehen, auch Kohlenhydrate dürfen mit einem Anteil von mindestens 50 % auf dem Speiseplan stehen. Achten Sie jedoch auf hochwertige Nahrungsmittel, wie z.B. Vollkornbrot, Getreide (Kohlenhydrate), hochwertige ungesättigte Fettsäuren (Oliven-, Kern-, Nussöle etc.) und wertvolles Eiweiß (z.B. fettarme Milchprodukte, Hülsenfrüchte, mageres Fleisch). Um die Vitamin- und Mineralstoffbilanz in Balance zu halten, ist es ideal, 5 Mal am Tag Gemüse oder/und Obst zu sich zu nehmen.

Sollte diese Umstellung auf eine gesunde Lebensweise nicht mehr „aus eigener Kraft“ erfolgen können, verordnet der Arzt Medikamente, wie etwa Lipidsenker, um den Fettstoffwechsel auf die Reihe zu kriegen oder Statine, um den Blutdruck zu senken. Übergewichtige, die allerdings meinen, zweimal täglich Medikamente zu schlucken und dann werden sie geheilt, sind in der Sackgasse, denn ohne Bewegung lässt sich eine Gewichtsreduktion nur schwer erreichen. Daher sollten Sie etwa 30 Minuten täglich für Sport und Fitness einplanen. Sie müssen sich dazu nicht kasteien, keinen Marathon anpeilen oder tagelang in einer Kletterwand hängen. Leichter Ausdauersport (Walken, Radfahren, Wandern) tut Körper und Seele gut und erhöht den Energieverbrauch.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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