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Alzheimer

Wie die grauen Zellen fit bleiben

Gesund alt werden und das Leben bewusst genießen, das möchte jeder von uns. Doch immer mehr ältere Menschen leben „im Gestern“, denn sie erkranken an einer Alzheimer-Demenz.

Derzeit leiden weltweit etwa 40 Millionen Menschen an Alzheimer-Demenz. Diese Erkrankung ist die häufigste Form aller Demenzen, von denen es mehr als 50 verschiedene Arten gibt. Der deutsche Psychiater und Neuropathologe Alois Alzheimer beschrieb die Erkrankung bereits 1906. Er entdeckte unterschiedliche Eiweißablagerungen im Gehirn von Demenz-Patienten. Bestimmte Proteine, so genannte Beta-Amyloid Peptide verklumpen außerhalb der Gehirnzellen und formen die „Alzheimer Ablagerungen“. Beta-Amyloid an sich ist nichts Böses, es wird auch bei Gesunden gebildet. Aber im Zuge einer Alzheimer-Demenz sammelt es sich im Übermaß an und schädigt die Nervenzellen bereits vor dem Ausbruch der Erkrankung. Eine britische Studie von David Snowdon zeigte an 678 Ordensschwestern zwischen 75 und 107 Jahren, dass Plaque-Ablagerungen allein jedoch keine Auswirkungen auf die kognitiven Leistungen der Frauen hatten, denn einige Nonnen zeigten bis ins hohe Alter keine kognitiven Einschränkungen trotz fortgeschrittener Plaque-Bildung. Sie waren bis zum Ende ihres Lebens geistig und körperlich aktiv und haben so die gefürchteten Symptome der Erkrankung einfach „aufgeschoben“.

Die Ursachen der Erkrankung sind also degenerative Prozesse im Gehirn, die zu den typischen Symptomen führen. Genauer gesagt handelt es sich dabei um Signalübertragungsstörungen zwischen den Nervenzellen im Gehirn. Aufgrund dieser Störungen sterben auch die so genannten Synapsen, das sind Nerven-Kontaktstellen ab und in der Folge auch Gehirnzellen.

Typische Symptome der Erkrankung ist: die Chronologie des Lebens wird „von hinten“ aufgerollt. Was Betroffene als Kind gelernt haben, bleibt länger bestehen, der Mensch ist jedoch nicht mehr lernfähig. Er kann beispielsweise ein Lied, ein Gedicht, das er in der Kindheit gelernt hat, exakt wiedergeben, erinnert sich jedoch nicht mehr an den eigenen Geburtstag, vergisst Namen und kann sich vieles nicht mehr merken. Obwohl die Erkrankung bereits etwa ab dem 30. Lebensjahr entstehen kann, machen sich die Symptome meist erst nach dem 60. Lebensjahr bemerkbar. Der Betroffene wird eigenartig, zerstreut, schrullig – manchmal tut er sich schwer mit bestimmten Bewegungen.

Vergesslichkeit hat viele Ursachen

Nicht jede Vergesslichkeit ist aber gleich Zeichen einer Alzheimer-Demenz. Viele Menschen leiden an einer psychischen Erkrankung, häufig an einer Depression. Die Begleiterscheinung einer Depression können Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen sein, also eine weitere Art von „Gedächtnisschwäche“. Wieder andere Menschen erhalten die Diagnose „delirante Verwirrtheit“. Darunter versteht man sich rasch entwickelnde Bewusstseinsstörungen, die mit Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsstörungen einhergehen. Bei vielen älteren Menschen kann eine solche Verwirrtheit auch aufgrund von Flüssigkeitsmangel auftreten. Wer an heißen Sommertage zu wenig trinkt, kann schnell mal an die Grenzen seiner geistigen Leistungsfähigkeit kommen. Im Gegensatz dazu verläuft eine Alzheimer-Demenz schleichend und ohne Bewusstseinsbeeinträchtigung. Vergesslichkeit kann aber auch infolge von anderen neurologischen oder internen Erkrankungen entstehen, wie etwa durch entzündliche Erkrankungen des Zentralnervensystems, durch Hormonstörungen (z.B. bei Schilddrüsenerkrankungen), Vitaminmangel oder durch Medikamente.

Das stille Leiden

Das Problem an der Erkrankung ist, dass sie vom Umfeld oft nicht wahrgenommen wird. Betroffene kommen erst mit fortgeschrittenen Symptomen zum Arzt. Dann übernimmt meist ein Familienmitglied die Betreuung, die anderen ziehen sich zurück. Etwa zwei Drittel der Alzheimerkranken, aber auch zwei Drittel der Betreuenden sind weiblich. Hier ist die Solidarität des Umfelds, der Familie gefragt. Es kann nicht sein, dass berufstätige Töchter nahtlos von der Kinderbetreuung in die Altenbetreuung wechseln – ein Zusammenwirken ist hier enorm wichtig und Betreuenden brauchen Unterstützung und Wertschätzung. Erfolgt das nicht, fühlen sich Betreuende von der Prüfperson nicht wahrgenommen und entwickeln Gefühle der Enttäuschung, Frustration und mitunter sogar Depressionen. Darüber hinaus können Erkrankte Verhaltensstörungen kurzfristig gut kaschieren. Wichtig ist es daher, den Betreuenden zu fragen, wie sich die Erkrankung äußert; droht der Erkrankte? Beschimpft er oder sie? Ist Gewalt im Spiel oder ist es eine Persönlichkeit, die sich zurückzieht und keine Aggressionen entwickelt? Viele Probleme können durch sorgsamen Umgang mit dem Erkrankten vermieden werden. Männer sind eher aktiv aggressiv, Frauen passiv aggressiv, sie drehen sich weg, sind verschlossen, je nachdem, welche Muster sie in ihrer Jugend gelernt haben. Dem Kranken ist all das im späteren Erkrankungsverlauf nicht mehr bewusst. Er hat keine Krankheitseinsicht, die Sichtweise ist: Nicht ich bin krank, sondern du. Mit mir ist alles in Ordnung. Wenn es allerdings zu Aggressionen oder Gewalt kommt, ist oft eine Medikation (z.B. Antipsychotika) der letzte Ausweg, um Aggressionsspitzen einzudämmen.

Mehr Risikofaktoren als bisher angenommen

Fortgeschrittenes Alter und genetische Ursachen galten bisher als größte Risikofaktoren. Heute weiß man, dass auch Diabetes Typ2, metabolisches Syndrom, Herzkreislauf-Erkrankungen (10 einfache Tipps für ein gesundes Herz) oder das Rauchen den Verlauf der Erkrankung beschleunigen können. Neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass auch geistige Unterforderung und Bewegungsmangel hohe Risikofaktoren sind. Menschen, die geistig nicht gefordert werden, deren familiäre und soziale Beziehung instabil und stressreich sind, haben ein höheres Erkrankungsrisiko als jene, die ein erfülltes Leben führen – auch geistig. Dass Bewegung insgesamt gesund hält, ist nicht neu, dass Bewegungsmuffel allerdings ein um 80 Prozent höheres Risiko haben, an Alzheimer Demenz zu erkranken, ist beachtlich. Tanzen oder Tai Chi sind beispielsweise Aktivitäten, die die Koordinations- und Merkfähigkeit fordert und fördert. Auch Gedächtnistraining, wie etwa strategische Spiele, Rätsel oder Sudoku sind gute Möglichkeiten, um das Gehirn schon in frühen Jahren fit zu halten.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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