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Gesund und fit dank Vierbeinern

„Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht.“ – Mark Twain

Tiere sind die besten Freunde. Sie stellen keine Fragen und kritisieren nicht, schrieb Mark Twain. Für viele Tierbesitzer sind dies zwei von vielen Argumenten, die für eine tierische Freundschaft sprechen. Tierliebe, genau betrachtet.

Sie heitern auf, wenn „Herrchen“ oder „Frauchen“ mürrisch nachhause kommt, umschnurren mit Charme und Samtpfoten oder krächzen eine wohl einstudierte Begrüßung. Haustiere sind mehr als „nur“ tierische Gesellschaft, sie sind Freunde, Familienmitglieder, mitunter sogar Kinder- oder Partnerersatz. Vor allem Kinder und ältere Menschen sind den vierbeinigen, gefiederten Animateuren zugetan, zumal Tiere diese Menschen oft sozial und emotional besonders gut unterstützen können. Ältere Menschen, die Kontakt zu Tieren haben oder ein Tier besitzen, sind körperlich und geistig gesünder und fühlen sich auch sozial besser eingebunden als Menschen ohne Haustier, meinen Psychologen der Miami University Oxford und der Saint Louis University.

In der Altenbetreuung agieren Haustiere als „Eisbrecher“ – sie geben vor allem Menschen, die an Ängsten, depressiven Verstimmungen oder Einsamkeit leiden, eine gewissen Struktur, Nähe, sie ermöglichen eine wertfreie Bindung und hellen den Alltag auf. Allerdings ersetzt das Haustier nicht den menschlichen sozialen Kontakt, denn Menschen brauchen Menschen, aber sie brauchen auch Tiere. Wo die Mensch-Tier-Beziehungsebene gut ist, entstehen auch viele positive Effekten für die Seele. Tiere entfalten eine bedingungslose Zuneigung, außerdem spiegelt beispielsweise ein Hund die Verfassung des Menschen wider, das kann sich freilich stabilisierend und sehr positiv auf den Menschen auswirken.

Gesunde Beziehung

Dass es sich, wie Mark Twain beschreibt, um eine kritik- oder gar um eine konfliktfreie Beziehung handelt, die Katz & Co so sympathisch macht, unterschreiben Wissenschaftler nicht. Konfliktfreie Beziehungen sind tote Beziehungen und ein gutes Miteinander hat auch Konflikt-Zyklen – das kann z.B. ein Konflikt mit dem Hund sein, wenn dieser hinaus möchte, Herrchen aber keine Lust mehr auf einen Spaziergang hat.  Dass der beschriebene „Interessenskonflikt“ durchaus seine positiven Seiten hat, zeigen zahlreiche Studien. Haustierhalter sind weniger oft krank als tierlose Zeitgenossen. Der Grund: Wer täglich mit dem Hund Gassi geht, macht mehr Bewegung, beugt Übergewicht vor und schützt sich „gezwungenermaßen“ vor Herzkreislauf-Erkrankungen. Tiere sind ideale Gesundheitscoaches und sie beeinflussen Geist und Psyche in Stresssituationen positiv. Mediziner der University of New York wollten herausfinden, wie gestresst Menschen sich fühlen, wenn ihr Partner bei einer Problembewältigung anwesend ist. Andererseits wollten sie wissen, ob ein anwesendes Haustier eher Stress macht oder beruhigend wirkt. Das Ergebnis: Während sich der eigene Partner als Stressfaktor zeigte, konnte das Haustier die Versuchsperson nicht aus der Ruhe bringen.

Von Natur aus tierlieb?

Das Wohlgefühl, das wir in der Mensch-Tier-Beziehung erleben, dürfte uns angeboren sein, meinen Wissenschaftler. Aus evolutionstheoretischer Sicht erklärt dies erstmals der US-amerikanische Biologe Edward O. Wilson im Jahr 1975. Er ging davon aus, dass der Mensch sein Interesse von Natur aus auf Leben und lebensnahe Prozesse richtet und ein Bedürfnis hat, mit der Natur in Kontakt zu treten. Der Mensch kann und soll mit dem Tier sozial sein und umgekehrt. Dass Mensch und Tier aber miteinander „kommunizieren“ können, liegt daran, dass der soziale Verstand beider im Hinblick auf Bindungs-, Sozial- oder Stressverhalten ähnlich sind. Vielleicht ist Tierliebe ja eine archaische, nicht erfüllte Sehnsucht – wie Konrad Lorenz sagt: „Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv – nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies.“

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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