A A A

Süchte

Menschen, die einer Sucht verfallen sind, werden oft stigmatisiert und wagen es nicht, über ihre Krankheit zu sprechen.

Menschen, die einer Sucht verfallen sind, werden oft stigmatisiert und wagen es nicht, über ihre Krankheit zu sprechen. In Österreich existiert jedoch eine Reihe niederschwelliger Beratungsangebote, die beim ersten Schritt auf dem Weg aus der Sucht helfen.

Spielen, rauchen, trinken, kaufen, surfen: Suchterkrankungen sind nach wie vor bei Männern häufiger, doch Frauen holen rasant auf. Vor allem Alkohol- und Nikotinsucht sind zunehmend auch „weibliche“ Erkrankungen, während bei Männern Süchte wie Glücksspiel, exzessiver Internetkonsum oder illegale Substanzabhängigkeiten häufiger auftreten. Das Suchtverhalten von Frauen und Männern ist jedoch stark unterschiedlich ausgeprägt. Während Männer eher zu aggressiven Verhaltensweisen neigen (Verlust der Empathie, Verrohung), richten Frauen ihre Aggressionen nach innen und schweigen. Schuld an dieser Entwicklung sind vielfältige Faktoren, wie schlechtes Selbstwertgefühl, Überforderung, Doppelbelastung oder Depressionen.

Was ist Sucht?

Sucht ist eine Erkrankung, die von einem komplizierten Mechanismus des menschlichen Belohnungssystems im Gehirn gesteuert wird. Wesentlichen Anteil dabei fällt dem Gehirnbotenstoff Dopamin zu, denn Drogen wie Alkohol, Nikotin oder Cannabis führen zu einer erhöhten Ausschüttung von Dopamin und zu einem berauschenden Glücksgefühl. Um den Dopaminspiegel langfristig zu erhöhen, braucht der Betroffene jedoch immer höhere Dosen der jeweiligen Substanz, die Suchtspirale wird in Gang gesetzt. Der Süchtige muss dieses Glücksgefühl immer wieder erfahren und in immer kürzer werdenden Abständen. In dieser Phase ist das natürliche Belohnungssystem jedoch bereits so weit umgepolt, dass das Gehirn einschreitet. Es baut ein Suchtgedächtnis auf, das bereits beim Geruch oder Anblick der Droge gelernt hat, das mit dem Drogenkonsum ein Glücksgefühl einhergeht. Der Zwang, die jeweilige Droge konsumieren zu müssen, steigt und es entsteht der schier unüberwindliche Wunsch, so genanntes „Craving“, diesem Druck nachzugeben. Der gefürchtete Suchtmechanismus entsteht.

Wege aus der Sucht

Der Ursachen einer Suchterkrankung liegen jedoch auch viele andere Faktoren zugrunde, wie Persönlichkeit (vermindertes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten im Umgang mit eigenen Gefühlen. Auch die Umwelt und ihre „Vorbilder“ und die Verfügbarkeit einer Substanz, eines Anreizes können Süchte hervorrufen. Ziel jeder Therapie ist es, nicht die Defizite, das Leiden des Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen, sondern verschüttete Ressourcen freizulegen. So etwa werden Strategien wie Kreativität, Bewegungskompetenz oder soziale Fähigkeiten gestärkt, die den Umgang mit schwierigen Situationen erleichtern, und die Droge als Seelentröster verzichtbar machen. Erste, niederschwellige Anlaufstellen sind Drogenberatungsstellen oder Online-Beratung. Auch Psychotherapie leistet einen wichtigen Beitrag bei Drogenentzug. Für Betroffene bietet diese Betreuung eine Möglichkeit, alternative Handlungen zum Drogenkonsum zu entwickeln, die Ursache oder damit zusammenhängenden Probleme aufzulösen und im Krisenfall einen Rückfall zu vermeiden.

Treten bereits körperliche Probleme auf, wie Depressionen, Ängste oder Schlafstörungen, sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Möglicherweise ist eine Entzugsbehandlung erforderlich. Dabei wird der Körper entgiftet bzw. von der Droge entwöhnt. Je nach Substanz können dabei unterschiedliche Entzugserscheinungen auftreten, daher ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll. Eine Entwöhnung ist meist ein langwieriger Prozess, doch spezialisierte Institute bieten 6 Monate dauernde Kurzzeittherapien an, die auch neben dem Berufsleben durchgeführt werden können. Ziel dabei ist es, Abstand zur Droge, zum Suchtanreiz zu bekommen und eine entsprechende Veränderung einzuleiten. Dazu zählt es, neue Ziele zu stecken und alte Muster abzulegen. Langzeittherapien erstrecken sich bis zu einem Jahr und zielen darauf ab, abseits des gewohnten Umfelds eine Distanz zu finden und die Sucht so in den Griff zu bekommen. Grundlage für eine erfolgreiche Therapie ist jedoch, dass Sie in Zukunft ein suchtfreies Leben führen möchten.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

Ein Projekt der

Durchgeführt von