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Richtige Männer sind Checker

Männer sind hart, draufgängerisch und lieben das Risiko. Sie verwirklichen sich lieber im Extremsport, als sich zu einem kontinuierlichen Bewegungsprogramm aufzuraffen, haben mehr Unfälle und sterben – statistisch betrachtet – um 5,7 Jahre früher als Frauen. Fast die Hälfte aller Österreicher tragen daher ein ganz spezielles Gesundheitsrisiko mit sich: Sie sind Männer.

Frauen gehen zum Gynäkologen. Männer sind nie krank. Frauen essen gesundheitsbewusst. Männer essen, was ihnen schmeckt. Schnitzel und Braten, Leberkäsesemmel und Wurstweckerl. Und was tut das so genannte starke Geschlecht, wenn das Stechen in der Brust in immer kleineren Intervallen auftritt? Richtig: sie bagatellisieren und negieren, so lange es geht. Und wenn Sie einen reiferen Herrn danach fragen, wie der letzte PSA-Test gelaufen ist, wird das mit einem Verziehen der Mundwinkel und einer abwehrenden Handbewegung quittiert. Bloß keinen Arzt!

Haben Männer also Angst vor dem Arzt? Oder welcher geheimnisvolle Bann hält sie vom Besuch eines Medizinmannes ab? Meist das Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Denn Männer ticken tatsächlich anders: Im Gegensatz zu Frauen gehen sie, so heißt es spöttisch, erst zum Arzt, wenn sie den Kopf in der Hand tragen. Klingt lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund, denn tatsächlich fühlen sich Männer – geht es nach dem Österreichischen Gesundheitsbericht – durchwegs gesund. Ein bisserl Herzrasen, ein wenig Übergewicht, eine leichte Depression: wird schon wieder, ist die Devise starker Männer.

Männer reden nicht, sondern leiden

Geht es um die Regionen abwärts der Gürtellinie, tun sich Männer häufig sehr schwer, gesundheitliche Warnsignale richtig und vor allem rechtzeitig zu dekodieren. Etwa 40 Prozent aller Männer ab 40 aufwärts leiden an Problemen abwärts: an Erektions- oder Libidostörungen oder an vorzeitigem Samenerguss. Hormonstörungen sind bei etwa 2 Prozent der erektilen Dysfunktionen die Ursache. Und ja: Wenn Sie einen Mann vertreiben wollen, die Konversation zum Erliegen bringen oder Ihre Antipathien offenkundig deklarieren wollen, eignet sich dafür ein Thema bestens – Die PSA-Untersuchung. Nicht weil die Erfassung des PSA-Wertes, empfohlen ab dem 40. Jahr, gar so schmerzt! Weit gefehlt: Sie ist nur in Kombination mit einem Tastbefund sinnvoll und das mögen Männer ja dann doch nicht – auch wenn Indianer keinen Schmerz kennen. Sie fürchten sich vor der Untersuchung, doch diese ist nötig und kann Leben retten. In Kombination dazu empfiehlt sich ein Blasenultraschall zu machen. Im Hinblick auf den vieldiskutierten PSA-Test raten Mediziner dringend dazu, denn es ist eine der gegenwärti sichersten Methode zur Abklärung von Prostataerkrankungen.

Dass die Männermedizin jedoch erst im fortgeschrittenen Mannesalter an Bedeutung gewinnt, ist längst nicht mehr gültig. Heute weiß man, dass sich Hodenkrebs bereits zwischen 20 und 40 Jahren entwickelt, es ist also wichtig, ärztliche Kontrollen routinemäßig durchführen zu lassen.
Männer sind ängstlich, haben wir gelernt. Aber sie müssen jetzt dennoch keine Angst haben und ständig zum Arzt laufen. Eine Neugeborenenuntersuchung, eine mit 10 Jahren, eine mit 15 und eine mit 20 Jahren wären günstig, dann reicht ein einmal jährlicher Arztbesuch aus, um das „Pickerl“ zu kriegen. Vor allem: Diese Untersuchungen sind ja weitgehend unbelastend; so etwa ist eine Hodensonographie völlig schmerzfrei und hinterlässt keine Strahlenbelastung.

Der große Blues

Männer haben häufiger Probleme, ihre Gefühle zu äußern. Auch soziale Faktoren spielen hier eine wesentliche Rolle. So etwa sind Trennung, Scheidung, Stress am Arbeitsplatz oder Jobverlust wesentliche Kriterien, die zu einem Anstieg der Mortalität führen. Waren Depressionen früher eher weiblich besetzt, sind heute zusehends auch Männer davon betroffen. Männer agieren ihre Befindlichkeiten aber anders aus. Sie sprechen in der Folge eher dem Alkohol zu und verhalten sich aggressiv, häufig auch gegen sich selbst. Dieses Verhalten hängt eng mit dem männlichen Selbstbild zusammen, dem männlichen Rollenbild entsprechend kommt hier der Gedanke „ich habe versagt“ oder „ich bin nicht mehr der Starke“ auf. Erst wenn der Druck zu groß wird, nehmen Männer Hilfe in Anspruch.

Nur ein versierter Facharzt kann feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Depression handelt. Er stellt gezielt Fragen wie „Können Sie sich noch freuen wie früher“, „verfolgen Sie dieselben Interessen wie früher?“ „Können Sie Entscheidungen treffen?“ oder „Wie steht es um Ihre Konzentrations- und Denkfähigkeit?“ Auch der Begriff „Burnout“ steht heute eng im Zusammenhang mit Männermedizin. Wenn die Individualität verloren geht, der persönliche Einsatz nicht mehr geschätzt wird, kommt es leicht zu emotionaler Erschöpfung. Die Kurzlebigkeit in der Arbeitswelt wird zur Belastung, ein enormer Druck entsteht, weil der Betroffene auch mit der eigenen Leistung unzufrieden wird. Männer müssen lernen, dass der Arbeitsplatz nicht der ideale Ort zur persönlichen Selbstverwirklichung ist.

Männer sind keine Plaudertaschen

Die meisten Männer aber scheuen den Kontakt und das Gespräch mit dem Arzt. Bei Männern kommt oft eine Verbindung zwischen Depression und Aggression hinzu. Dies zeigt sich, dass Betroffene extrem reizbar und aufbrausend sein können, Wutanfälle, Ärger und eine geringe Stresstoleranz lassen ebenfalls auf Depressionen oder auf eine bipolare Depression schließen. Viele, die im Alltag kämpfen wenden sich dann oft Alkohol oder anderen Drogen zu oder es manifestiert sich eine antisoziale Persönlichkeitsstörung – charakteristisch dafür sind  Männer, vor allem junge Männer, die sich nur in Extremen spüren, etwa beim schnellen Motorradfahren, bei riskanten Sportarten oder in extremen Stimmungsschwankungen. Depressionen sollten jedoch unbedingt behandelt werden, da sie vor allem bei Männern auch im höheren Lebensalter ein hohes Suizidrisiko mit sich bringen.

Die guten Seiten: All diese negativen Entwicklungen haben eines gemeinsam – sie sind beeinflussbar. Und durch ein vernünftiges Gesundheitsmanagement zu verhindern. Vorausgesetzt jedoch eins: dass Männer sich heute nicht mehr wie Indianer verhalten.

Männer-Check

Harnbefund und Blutabnahme

Der Harnbefund ist die Grundlage für weitere Untersuchungen. Ist der PSA-Wert (prostataspezifisches Antigens) erhöht, kann dies ein Hinweis auf Prostatakrebs sein, muss aber nicht. Die Beurteilung muss daher von einem erfahrenen Facharzt für Urologie und Andrologie erfolgen.

Tastuntersuchung von Hoden und Prostata

Die Tastuntersuchung ist vielen Männern zwar unangenehm, doch sie ist unerlässlich. Nur so kann der Arzt feststellen, ob die Prostata auffällig hart ist und ob eine Erkrankung auszuschließen ist.

Ultraschalluntersuchung

der Nieren
der Harnblase/Prostata (Restharn)
Der Arzt untersucht Lage, Form, allfällige Veränderungen und manchmal auch Funktionen der betroffenen Organe.

Ab 50 Jahren – Darmkrebs-Früherkennung

Einmal jährlich sollte durch ein Abtasten des Mastdarms mit dem Finger und mit Hilfe eines Schnelltests auf okkultes Blut im Stuhl untersucht werden. Ab dem 55. Lebensjahr sind innerhalb von zehn Jahren zwei Darmspiegelungen vorgesehen. Durch die Kolonoskopie können Polypen und Geschwülste im Darm festgestellt werden, aus denen sich bösartige Tumoren entwickeln können.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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