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Grippe

Ein Blick in die Arztpraxen bestätigt: Der Winter ist da und mit ihm die Grippeviren

Grippe: Impfen oder Hände waschen?

Ein Blick in die Arztpraxen bestätigt: Der Winter ist da und mit ihm die Grippeviren. Obwohl bei vielen Menschen ein „grippaler Infekt“ meist harmlos verläuft, kann die „echte Grippe“ zu vielen Komplikationen, wie Lungenentzündung führen. Für Immunschwache, ältere Menschen und Kinder empfehlen Mediziner daher die Grippeimpfung.

Grippeviren sind unglaublich trickreich. Sie schleichen sich durchwegs schon lange vor dem Ausbruch einer Epidemie ein, das zeigen Untersuchungen des Cancer Research Institutes in Seattle. Demnach begeben sich Grippeviren meist von Fernost aus auf Weltreise – kaum sinken in europäischen Gefilden die Temperaturen, werden sie hoch aktiv. Da der jeweilige Virenstamm jedoch nicht nur trickreich, sondern auch enorm wandelbar ist, „überlebt“ er bis zum Frühjahr und wird im nächsten Herbst von einem veränderten Stamm ersetzt. Das ist auch die Erklärung dafür, dass eine Grippeimpfung jährlich wiederholt werden sollte, da sie jeweils lediglich vor einem bestimmten Virenstamm schützt.

Wie Impfen wirkt

Mediziner und Wissenschaftler forschen daher alljährlich mit Akribie, welcher Virenstamm im Winter unsere Gefilde heimsuchen wird. Üblicherweise unterscheiden sich die Empfehlungen für die Nord- und Südhalbkugel der Erde, in diesem Jahr hat Australien eine Überraschung erlebt, denn zum erwarteten A-Stamm haben sich auch B-Stämme gesellt. In Österreich wird daher für diesen Grippewinter eine Impfung gegen A- und B-Stämme empfohlen. Gängige Impfungen beinhalten drei oder vier Stämme, medizinisch gesprochen handelt es sich um tetra- oder quadrivalente Impfstoffe.

Eine Grippeimpfung wirkt allerdings nicht sofort, sondern erst nach zwei bis drei Wochen. Wichtig ist es daher, schon zu einem Zeitpunkt zu impfen, an dem der Virenstamm noch auf Opfer lauert. Um sich gegen Grippe impfen zu lassen, gibt es drei verschiedene Möglichkeiten: eine Spritze in den Muskel, mithilfe einer Mikronadel unter die Haut oder neuerdings auch über die Nase, letztere ist ab dem Alter von 2 Jahren zugelassen, die Injektion mit der Mikronadel ab einem Alter von 18 Jahren.

Erkältung oder Grippe?

Ein „grippaler Infekt“ wird umgangssprachlich meist als „Grippe“ bezeichnet. Das ist jedoch die harmlose Variante, es handelt sich dabei um eine „Erkältung“. Meist fühlt man sich schlapp und krank, Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen sind die gängigen Symptome. Eine echte Grippe jedoch wird von den jeweils aktiven Grippeviren übertragen und kann, besonders bei Risikogruppen, eine Reihe von Komplikationen mit sich bringen. So etwa kann bei Kindern, älteren Menschen oder Immunschwachen eine Lungenentzündung oder Bronchitis entstehen. Auch andere Erkrankungen, wie Mittelohr-, Nasennebenhöhlen-, Herzmuskel- und Herzbeutelentzündung oder Entzündungen des Gehirns können mit der Infektion Hand in Hand gehen. Meist fühlen sich Betroffene schon längere Zeit vor dem Ausbruch der Erkrankung erschöpft und angeschlagen, Schüttelfrost, Schweißausbrüche und plötzlich auftretendes hohes Fieber lassen dann möglicherweise auf eine Influenza schließen. Vielfach ist eine genaue Diagnose aber erst möglich indem das Virus nachgewiesen wird. Dazu führt der Arzt einen Nasen- oder Rachenabstrich durch oder es erfolgt eine Blutuntersuchung.

Wer soll sich impfen lassen?

Die Impfung wird daher Risikogruppen empfohlen, also Menschen, die an einer chronischen Grunderkrankung laborieren, wie etwa Herz-, Lungen-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes). Auch Immunschwache, z.B. aufgrund einer Transplantation oder eines Immundefekts, sollten eine Impfung in Erwägung ziehen. Ältere Zeitgenossen, insbesondere ab dem 65. Lebensjahr haben meist ein schwächeres Immunsystem als junge Menschen und sollten ebenfalls mithilfe der Impfung einer Erkrankung vorbeugen. Speziell bei Säuglingen und Kleinkindern ist das Immunsystem noch nicht voll ausgebildet, sie sind stärker infektanfällig und sollten daher ab dem 7. Lebensmonat geimpft werden.

Säuglinge und Kleinkinder tragen ein genauso hohes Risiko zu erkranken, bzw. zu sterben wie Senioren. Sie sind es auch meist, die die Infektion in die Familie bringen. Die am Markt gängigen Impfstoffe sind gut verträglich, die Gefahr von Nebenwirkungen lässt sich überdies reduzieren, wenn nicht das gesamte Virus im Impfstoff bleibt, sondern ein Teil abgespalten wird (Spaltvirus-Impfstoff) oder ein minimaler Teil (Subunit-Impfstoff) abgespalten wird. Was allerdings wieder zu Lasten der Wirksamkeit gehen kann. Moderne Impfstoffe sind allerdings so gut erforscht, dass ihre Nebenwirkungen in keiner Relation mehr stehen zu Krankheiten, die durch sie verhindert werden können.

Immunität, dem Umfeld zuliebe

Wer diesen Risikogruppen nicht angehört, jedoch häufig unter Menschen oder in einem Gesundheitsberuf tätig ist, trägt ebenfalls ein erhöhtes Erkrankungsrisiko und sollte eine Grippeimpfung in Erwägung ziehen. Dies nicht nur zum eigenen Schutz, sondern möglicherweise auch, um die Familie, den Freundeskreis, die Arbeitskollegen nicht anzustecken. Regelmäßiges Händewaschen mit Seife, den eigenen Wohnraum gut lüften, ausgedehnte Aktivitäten in der frischen Luft und sich von Erkrankten fern zu halten: das sind einfache Möglichkeiten, um einem Virenbombardement zu entgehen.

Nicht immer ist es erforderlich, bei den ersten Anzeichen einer „Grippe“ oder eines „grippalen Infekts“ zum Arzt zu gehen, doch speziell eine Infektion bei Risikogruppen muss streng im Auge behalten werden. Jede Erkältung, die länger als eine Woche andauert, sollte vom Arzt abgeklärt werden. Wen es dennoch erwischt hat, der sollte – ob grippaler Effekt oder Grippe – zuhause bleiben und sich auskurieren. Wer an Influenza erkrankt ist, muss sich absolut schonen. Viel Flüssigkeit, vitaminreiche Ernährung, fiebersenkende Medikamente oder Schleimlöser bekämpfen die quälenden Symptome, sollten jedoch nur vom Arzt verordnet werden. Schule, Arbeit und soziale Kontakte sollten erst wieder aufgenommen werden, wenn die Symptome abgeklungen sind und Sie sich noch ein, zwei Tage danach eine Pause gönnen. Ruhe und Geduld sind in diesem Fall die besten Basics, um gesund zu werden – und Ihre Lieben nicht anzustecken.

Text:

Mag. Dr. Doris Simhofer

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