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Powertraining für das Gehirn

Wie viel Vergessen darf sein? Gedächtnis oder Konzentration?
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Kennen Sie die Szene? Den Wohnungsschlüssel griffbereit in der Hand im Treppenhaus, das Auto noch voller Einkäufe, plötzlich klingelt das Handy – Verabredung für morgen Abend. Alles notiert? Wunderbar, aber bitteschön, wo ist jetzt der Wohnungsschlüssel? Vergessen? Verloren? Und wie war das eigentlich mit dem Denken?

Situationen wie oben sind nicht weiter beunruhigend. Unser Gehirn hat das „Recht“, sich gelegentlich mal auszuklinken, dann nämlich wenn die Informationen zu viel werden. Im Alltag bringt es ohnedies Höchstleistungen zustande, denn unser Geist ist rund um die Uhr aktiv.

Menschen, aber auch Tiere besitzen die Fähigkeit, sich zu erinnern. Das ist eine Voraussetzung für das Lernen – auch bei Tieren, so etwa um Futterstellen zu finden oder Gefahren zu erkennen. Lernen ist also nur mit Gedächtnisbildung möglich. Das Individuum sammelt also mit Hilfe seiner Sinne bestimmte Erfahrungen, diese werden mit bereits gespeicherten Sinneseindrücken verglichen. Je öfter ein Sinneseindruck das System durchläuft, desto schneller und langhaltiger wird er im Langzeitgedächtnis gespeichert.

Wie viel Vergessen darf sein?

Vergessen ist daher ebenfalls ein ganz normaler Prozess. Es hat den tieferen Sinn, unsere „Festplatte“ von Datenstau zu schützen und speichert daher nur die wichtigsten Daten ab. Eine Telefonnummer, die man nur einmal benötigt, wird wahrscheinlich in dem Moment, in dem man sie gewählt hat, wieder vergessen. Was also im Kurzzeit- oder mittelfristigen Gedächtnis gespeichert ist, wird mit der Zeit wieder verworfen. Das richtet sich aber auch nach der Wichtigkeit der Situation. Im Zuge des one-while-learnings hingegen reicht auch eine einzige Erfahrung, um sie im Gedächtnis zu speichern, so etwa wird ein Kind den Griff auf die heiße Herdplatte nicht mehr vergessen. Aber auch durch häufiges Wiederholen kann sich ein Gelerntes im Gedächtnis festigen. Was wir im Langzeitgedächtnis gespeichert haben, bleibt.

Dass sich manche Mitmenschen bestimmte Namen, Zahlen, Gesichter oder Eindrücke besser merken können als andere, ist auch eine Frage der Talente, die uns von der Natur mit auf den Weg gegeben wurden. Wissenschaftlich bestätigt ist aber, dass Menschen die geistig rege, aktiv, sozial integriert und sportlich aktiv sind, ein besseres Gedächtnis haben. Ein schlechtes Gedächtnis ist also kein unveränderbares Schicksal – man kann es auch entsprechend trainieren.

Gedächtnis oder Konzentration?

Eine vermeintliche Gedächtnisschwäche ergibt sich oft aus mangelnder Konzentrationsfähigkeit. Kinder haben dieses Talent noch – sie versinken in ihre Legotürme, in Geschichten oder Puppenwelten und nehmen kaum Außenreize wahr. Wer jemals im Kindergarten 20 Minuten auf den Youngster gewartet hat, weil er noch zu Ende spielen musste, bestätigt dieses Naturgesetz. Anders ist es bei Erwachsenen. Wer noch so konzentriert im neuesten Krimi versinkt oder in spannenden Börseberichten – wenn das Telefon klingelt, ist es aus mit der Konzentration. Ähnliche Effekte können auch ein brüllendes Radio, tratschende Kollegen oder niedliche Kids mit sich bringen, die von der heimarbeitenden Mama Kakao, Trostpflaster, Streitschlichtung oder ähnliches begehren. In diesem Fall wird Konzentration zur Schwerarbeit, letztlich auch weil das Erledigen von drei Aufgaben gleichzeitig eine Höchstleistung für Konzentration und Gehirn ist. Andererseits gibt es auch Menschen, die sich sehr gut auf eine Sache konzentrieren können, Mediziner nennen das die selektive Aufmerksamkeit, die letztlich dazu führt, Inhalte schneller und besser zu behalten. Nicht verarbeitete seelische Probleme, Müdigkeit oder Infekte hingegen können dazu führen, dass man „keinen klaren Gedanken fassen“ kann.

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Übungen für die zerebrale Festplatte

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Mit einem gezielten Gedächtnistraining kann man nicht früh genug anfangen. Speziell geschulte Gedächtnistrainer zeigen, dass Denken Spaß macht und leicht im Alltag umgesetzt werden kann. Ein wichtiges Trainingselement dabei ist das Assoziieren, besser bekannt als „Eselsbrücken bilden“. Mithilfe von speziellen Merkstrategien könnte man sich sogar den täglichen oder wöchentlichen Einkaufszettel ersparen. Eine gute Übung, die sich in Wartezeiten im Bus, beim Zahnarzt oder am Finanzamt anbietet, ist die „Wortfindung“. Sie lesen beispielsweise irgendwo den Begriff „Wettervorhersage“ und versuchen nun, möglichst viele Wörter daraus zu bilden. Die Übung ist ideal, denn mit zunehmendem Alter wird auch unser Wortschatz enger, die Übung wirkt dem entgegen und erhöht darüber hinaus die Konzentrationsfähigkeit. Unersetzlich für ein blendend funktionierendes Gedächtnis sind aber auch Sozialkontakte, denn jedes Gespräch, das wir führen, ist eine Art Gedächtnistraining. Man muss zuhören, das Gehörte in das eigene Wissen einbetten, dazu werden Wortfindung, Konzentration und Wissen gefördert.

Der österreichische Bundesverband für Gedächtnistraining  hat sich daher viele Rezepte für Ihre Gehirn-Fitness ausgedacht. Hier finden sich zahlreiche Übungen für logisches, kreatives Denken, sowie Rätsel für Querdenker. Logisches Denken erfordert die Fähigkeit zu kombinieren, räumliches und intellektuelles Denken mit Hilfe spezieller Rätsel zu trainieren und danach mit brillanten Einfällen punkten. Und letztlich gibt es noch Herausforderungen für Querdenker, die Lösungen für scheinbar Unlösbares finden. Nur mit ein bisschen Um-die-Ecke-Denken. Überraschend, wie vielseitig und findig unsere kleinen grauen Zellen sind.

Hier geht’s zum Um-die-Ecke-Denken:

Text:

doris
Mag. Dr. Doris Simhofer

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